Karte 36 · Rut · Altes Testament
Rut bleibt bei Noomi
Rut 1 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Zusammen ist man stärker als allein
Geschichte
Noomi war eine Frau aus Betlehem. Vor vielen Jahren, als es in Betlehem nichts zu essen gab, war sie mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen weggezogen, in ein fremdes Land namens Moab.
Dort hatten ihre Söhne geheiratet. Zwei Frauen aus Moab. Die eine hieß Orpa, die andere hieß Rut.
Aber dann passierte etwas sehr Trauriges. Noomis Mann starb. Und dann starben auch ihre beiden Söhne. Jetzt waren nur noch drei Frauen übrig: Noomi, Orpa und Rut.
Noomi war sehr, sehr traurig. „Ich gehe zurück nach Betlehem“, sagte sie eines Tages. „Da gehöre ich hin. Ich habe gehört, dass es dort wieder Brot gibt.“
Orpa und Rut packten ihre Sachen und gingen mit ihr los.
Aber nach einem Stück Weg blieb Noomi stehen. Sie drehte sich zu den beiden jungen Frauen um.
„Geht zurück“, sagte sie. „Geht nach Hause, zu euren Mamas. Hier in Moab ist eure Familie. In Betlehem kennt ihr niemanden. Ich habe euch nichts mehr zu geben. Geht, und Gott soll euch segnen, weil ihr so lieb zu mir wart.“
Dann küsste sie die beiden.
Da fingen alle drei an zu weinen. Laut. Mitten auf der staubigen Straße.
Orpa weinte und weinte. Dann küsste sie Noomi zum Abschied und ging zurück nach Moab.
Aber Rut blieb.
Sie hielt sich an Noomi fest. Mit beiden Armen.
„Rut“, sagte Noomi, „schau, Orpa geht nach Hause. Geh du auch.“
Da schüttelte Rut den Kopf. Sie hielt Noomi noch fester.
„Bitte schick mich nicht weg“, sagte Rut. „Wo du hingehst, da gehe ich auch hin. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk. Und dein Gott ist mein Gott. Ich lasse dich nicht allein.“
Noomi schaute Rut lange an. Sie sah, dass Rut es ernst meinte. Ganz ernst.
Da sagte Noomi nichts mehr. Sie nahm Ruts Hand. Und dann gingen sie weiter. Zusammen.
Der Weg nach Betlehem war weit. Er ging über Berge und durch Täler, und die Sonne brannte. Wenn Noomi müde wurde, stützte Rut sie. Wenn Rut Angst hatte vor dem fremden Land, erzählte Noomi ihr von Betlehem, von den Feldern und dem Brunnen am Stadttor und von den Leuten, die dort wohnten. Abends teilten sie ihr Brot und kuschelten sich unter eine Decke, weil es nachts kalt wurde.
Allein hätte Noomi es vielleicht nicht geschafft. Sie war alt und traurig. Allein wäre Rut in einem fremden Land ganz verloren gewesen.
Aber zusammen schafften sie es.
Und eines Tages sahen sie die Stadt vor sich liegen. Betlehem. Die Felder rundherum waren golden, denn es war gerade Erntezeit, und die Gerste stand hoch.
Die Frauen am Brunnen erkannten Noomi. „Ist das nicht Noomi?“, riefen sie. „Noomi ist wieder da!“
Noomi war immer noch traurig. Aber sie war nicht allein. Sie hatte Rut.
Zusammen ist man stärker als allein.
Bibelvers
„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Dein Gott ist mein Gott.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum ist Rut bei Noomi geblieben?
- Frage 2: Wie haben die beiden sich auf dem langen Weg geholfen?
- Frage 3: Mit wem bist du gerne zusammen, wenn etwas schwer ist?
Gebet
Lieber Gott,
Rut hat Noomi nicht allein gelassen.
Danke für die Menschen, die bei mir bleiben.
Hilf mir, auch für andere da zu sein.
Amen.
Ausmalbild
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