Karte 39 · Hanna und Samuel · Altes Testament
Hanna bringt Samuel in den Tempel – und jedes Jahr ein neues Röckchen
1. Samuel 1,21–28; 2,18–21 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott ist da, auch wenn man ihn nicht sieht
Geschichte
Samuel war jetzt drei Jahre alt. Er hatte braune Locken, die ihm immer in die Augen fielen, und er konnte schon ganz schnell rennen. Er mochte Feigen und Geschichten und Hannas Lied, das sie ihm jeden Abend vorsang.
Eines Morgens sagte Hanna: „Samuel, heute gehen wir nach Silo. Zum Haus Gottes.“
Hanna hatte Gott etwas versprochen, damals, als sie so sehr um ein Kind gebetet hatte. Wenn du mir einen Sohn schenkst, hatte sie gesagt, dann soll er ganz dir gehören. Er soll im Haus Gottes leben und dort helfen.
Jetzt war es so weit.
Sie packten einen Esel voll. Einen Sack Mehl, einen Krug Wein und ein junges Rind, als Geschenk für Gott. Samuel durfte oben auf dem Esel sitzen. Hanna ging nebenher und hielt seine Hand. Die ganze Zeit.
Das Haus Gottes in Silo war groß und still. Es roch nach Weihrauch und nach Öl. Weihrauch ist Harz von einem Baum, das wunderbar duftet, wenn man es anzündet. Drinnen brannte eine Lampe mit sieben Armen, und ihre Flammen flackerten sanft. Und da saß wieder der alte Eli auf seinem Stuhl, der Priester, der im Haus Gottes für alles sorgte.
„Weißt du noch, wer ich bin?“, fragte Hanna. „Ich bin die Frau, die hier stand und gebetet hat. Um dieses Kind hab ich gebetet. Und Gott hat mich gehört. Jetzt bringe ich ihn zu Gott zurück.“
Eli schaute Samuel an. Samuel schaute Eli an. Eli hatte einen langen, weißen Bart und buschige Augenbrauen. Und dann zwinkerte er Samuel zu.
Hanna kniete sich vor ihren Sohn. Sie strich ihm die Locken aus der Stirn. Sie drückte ihn ganz fest. Sie gab ihm einen Kuss auf jede Wange und einen auf die Nase.
„Du bleibst jetzt hier“, sagte sie leise. „Eli passt auf dich auf. Und Gott ist bei dir. Jeden Tag und jede Nacht. Auch wenn ich nicht da bin.“
Samuel machte ein ganz kleines Gesicht. „Kommst du wieder?“
„Ich komme jedes Jahr“, sagte Hanna. „Versprochen.“
Dann ging sie. Und sie drehte sich viele Male um und winkte.
Eli nahm Samuels Hand. Seine Hand war groß und warm und ein bisschen runzlig. „Komm“, sagte er. „Ich zeig dir die Lampe. Wir müssen jeden Abend Öl nachfüllen, damit sie nie ausgeht. Das kannst du bestimmt bald ganz allein.“
Und Samuel lernte. Er lernte, die Türen am Morgen aufzuschließen. Er lernte, die Lampe zu putzen und das Öl nachzufüllen, ohne etwas zu verschütten. Er lernte Lieder und Gebete. Er trug einen kleinen weißen Leinenumhang wie die Priester.
Und zu Hause saß Hanna jeden Abend und nähte. Sie nähte ein Röckchen. Ein kleines Obergewand aus warmem Stoff. Bei jedem Stich dachte sie an Samuel. Und sie machte es ein bisschen größer als das letzte, weil Samuel ja wuchs.
Und als das Jahr um war, kam sie. Genau wie versprochen.
Samuel rannte ihr entgegen, so schnell er konnte. Hanna breitete die Arme aus und fing ihn auf und wirbelte ihn herum. Und dann holte sie das neue Röckchen heraus.
Samuel zog es an. Es passte genau.
So ging es Jahr um Jahr. Jedes Jahr ein neues Röckchen. Jedes Jahr ein bisschen größer.
Hanna war nicht jeden Tag bei Samuel. Aber sie dachte jeden Tag an ihn. Und Gott war da. Jeden Tag und jede Nacht. Auch wenn Samuel ihn nicht sehen konnte.
Bibelvers
„Der junge Samuel diente Gott. Und seine Mutter machte ihm jedes Jahr ein kleines Obergewand.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Woran hat Samuel gemerkt, dass seine Mama an ihn denkt?
- Frage 2: Wer passt auf dich auf, wenn Mama oder Papa nicht da sind?
- Frage 3: Woran könnte Samuel gemerkt haben, dass Gott bei ihm ist?
Gebet
Lieber Gott,
auch wenn Mama und Papa mal nicht da sind,
bist du bei mir.
Jeden Tag und jede Nacht.
Amen.
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