Karte 45 · David · Altes Testament
David in der Höhle – nur ein Zipfel vom Mantel
1. Samuel 24 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Vergeben ist besser als zurückschlagen
Geschichte
David war auf der Flucht. König Saul war so eifersüchtig auf ihn, dass er ihn überall suchen ließ. Mit dreitausend Soldaten zog Saul durch das Land, über Berge und durch Täler, und rief: „Findet David!“
David versteckte sich mit seinen Freunden in der Wüste bei En-Gedi. Dort gab es steile Felsen, auf denen wilde Steinböcke herumkletterten, und Höhlen, tief und kühl und dunkel.
In einer dieser Höhlen saßen David und seine Männer ganz hinten, dort, wo es so dunkel war, dass man die eigene Hand kaum sehen konnte. Es roch nach feuchtem Stein. Von der Decke tropfte Wasser, plitsch, plitsch, plitsch. Und eine Fledermaus hing kopfüber in einer Felsspalte und schlief.
Draußen hörten sie Schritte. Viele Schritte. Und Stimmen.
Die Soldaten von Saul!
Und dann passierte etwas, womit keiner gerechnet hatte. Der Eingang der Höhle wurde dunkel. Jemand kam herein. Ein großer Mann mit einem langen, prächtigen Mantel.
König Saul!
Er war allein. Er war müde vom langen Suchen, und er wollte sich in der kühlen Höhle ein bisschen ausruhen. Er setzte sich vorne am Eingang auf einen Stein, mit dem Rücken zur Höhle. Er hatte keine Ahnung, dass David nur ein paar Schritte hinter ihm in der Dunkelheit saß.
Davids Freunde hielten die Luft an. Dann beugte sich einer zu David und flüsterte ganz leise:
„David! Das ist deine Chance! Gott hat ihn dir direkt vor die Nase gesetzt! Jetzt kannst du dich rächen für alles, was er dir angetan hat!“
David stand auf. Ganz langsam. Ganz leise. Er schlich nach vorne, auf Zehenspitzen, Schritt für Schritt, an den tropfenden Wänden entlang. Die Fledermaus bewegte ein Ohr.
Jetzt stand David direkt hinter dem König. So nah, dass er ihn atmen hören konnte.
Dann zog David sein Messer.
Und schnitt ein Stück ab. Einen Zipfel von Sauls Mantel. Ganz vorsichtig, so dass Saul nichts merkte.
Dann schlich David zurück in die Dunkelheit.
Seine Freunde starrten ihn an. „Nur ein Stück Stoff? Warum hast du nicht …?“
Aber David schüttelte den Kopf. Sein Herz klopfte, und ihm war ganz schlecht. „Nein“, flüsterte er. „Er ist der König. Gott hat ihn dazu gemacht. Ich werde ihm nichts tun. Niemals.“
Saul stand auf und ging hinaus.
Da lief David hinter ihm her aus der Höhle. „Mein König!“, rief er.
Saul drehte sich um. Da stand David, nur ein paar Schritte entfernt, und verbeugte sich bis zum Boden. Dann hielt er etwas hoch. Den Zipfel des Mantels.
„Schau, mein König!“, rief David. „Das ist von deinem Mantel. Ich war dir ganz nah, in der Höhle. Ich hätte dir etwas antun können. Aber ich habe es nicht getan. Ich will nicht dein Feind sein.“
Saul schaute auf den Zipfel in Davids Hand. Dann auf seinen Mantel, an dem eine Ecke fehlte. Und dann fing der große, starke König an zu weinen.
„David, mein Sohn“, sagte er mit zitternder Stimme. „Du bist besser als ich. Ich habe dir Böses getan, und du tust mir Gutes.“
Und an diesem Tag zog Saul mit seinen Soldaten wieder nach Hause.
David hätte zurückschlagen können. Aber er hat es nicht getan. Vergeben ist besser als zurückschlagen.
Bibelvers
„Du bist gerechter als ich. Du hast mir Gutes getan, obwohl ich dir Böses getan habe.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Was hat David gedacht, als er direkt hinter dem König stand?
- Frage 2: Warum hat Saul angefangen zu weinen?
- Frage 3: Wann hast du schon einmal nicht zurückgehauen, obwohl du es gekonnt hättest?
Gebet
Lieber Gott,
David hätte sich rächen können,
aber er hat vergeben.
Wenn ich wütend bin, hilf mir, nicht zurückzuschlagen.
Amen.
Ausmalbild
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