Karte 66 · Weihnachten und Kindheit Jesu · Neues Testament
Die Hirten auf dem Feld
Lukas 2,8–20 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott hat jeden lieb, so wie er ist
Geschichte
Draußen vor der Stadt Betlehem, weit weg von den hellen Fenstern, lag ein Feld. Dort saßen in dieser Nacht die Hirten um ein kleines Feuer. Die Flammen knackten leise. Rundherum lagen die Schafe im Gras, und es roch nach Wolle, nach Rauch und nach feuchter Erde.
Die Hirten waren arme Leute. Ihre Mäntel waren geflickt, und zum Abendessen gab es trockenes Brot. Tag und Nacht waren sie bei ihren Tieren, und deshalb rochen sie selber ein bisschen nach Schaf.
Die Leute in der Stadt rümpften die Nase, wenn ein Hirte vorbeikam. „Die sollen draußen bleiben, bei ihren Schafen“, sagten sie. Niemand lud die Hirten jemals ein. Und so saßen sie auch in dieser Nacht für sich allein. Der Älteste stocherte im Feuer. Der Jüngste, ein Junge noch, hatte ein Lämmchen auf dem Schoß und kraulte ihm die Ohren.
Da wurde es auf einmal hell. Nicht hell wie von einem Feuer. Hell wie am Mittag, nein, noch viel heller! Die Hirten erschraken so sehr, dass sie sich flach ins Gras warfen. Die Schafe sprangen blökend durcheinander.
Mitten in dem Licht stand ein Engel.
„Fürchtet euch nicht!“, sagte er. „Ich bringe euch eine große Freude. Sie ist für euch und für alle Menschen. Heute ist in Betlehem der Retter geboren. Ihr werdet ihn finden: ein kleines Kind, in Windeln gewickelt. Es liegt in einer Krippe.“
Eine Krippe, das ist der Futtertrog, aus dem sonst die Kuh ihr Heu frisst.
Und kaum hatte der Engel das gesagt, war der ganze Himmel voller Engel. Es waren so viele wie Sterne, und sie sangen, dass es über das ganze Feld klang:
„Ehre sei Gott in der Höhe! Und Frieden auf der Erde bei den Menschen! Gott hat sie lieb!“
Dann war es wieder dunkel und still. Nur das kleine Feuer brannte noch.
Die Hirten setzten sich langsam auf. Lange sagte keiner etwas.
„Habt ihr das gehört?“, flüsterte endlich der Älteste. „Die Nachricht war für uns. Für uns! Ausgerechnet für uns, die keiner haben will.“
„Dann müssen wir hin!“, rief der Junge. „Jetzt gleich!“
Und sie rannten los, mitten in der Nacht. Die Jungen voraus, der Älteste schnaufend hinterher. Der Junge trug sein Lämmchen fest im Arm, das wollte er nicht zurücklassen.
In Betlehem suchten sie. Nicht bei den großen Häusern. Hinter einem Gasthaus fanden sie einen Stall, aus dem ein schwaches Licht fiel. Leise schoben sie die Tür auf.
Drinnen war es warm, und es duftete nach Heu. Ein Ochse schnaufte. Und in der Krippe lag das Kind, winzig klein, in Windeln gewickelt, genau wie der Engel gesagt hatte. Maria lächelte die Hirten an. Josef nickte ihnen freundlich zu und winkte sie näher heran.
Niemand rümpfte hier die Nase. Niemand sagte: Bleibt draußen.
Da knieten die Hirten sich hin. Das Lämmchen machte leise „Mäh“. Und dem Ältesten liefen die Tränen in den Bart, so froh war er. Denn jetzt wusste er es: Gott hatte es nicht zuerst den Königen gesagt und nicht den Reichen. Zuerst hatte er es ihnen gesagt, den Hirten.
Als sie wieder gingen, konnten sie es nicht für sich behalten. Jedem, den sie trafen, erzählten sie davon: „Wir haben das Kind gesehen! Gott hat uns lieb! Und euch auch!“
So ist es. Gott hat jeden lieb, so wie er ist. Ganz egal, ob er nach Schaf riecht oder nach Seife.
Bibelvers
„Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch eine große Freude. Euch ist heute der Retter geboren.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum hat Gott die gute Nachricht zuerst den Hirten erzählt?
- Frage 2: Wie hat sich der Hirte gefühlt, der das Lämmchen mitgenommen hat?
- Frage 3: Wem würdest du als Erstes erzählen, dass Jesus geboren ist?
Gebet
Lieber Gott,
du hast den Hirten die gute Nachricht als Erstes gesagt.
Du hast alle lieb, auch die, die sonst keiner mag.
Und mich auch.
Amen.
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