Karte 70 · Weihnachten und Kindheit Jesu · Neues Testament
Jesus bleibt im Tempel
Lukas 2,41–52 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Bei Gott bin ich zu Hause
Geschichte
Jesus war jetzt zwölf Jahre alt. Er war groß geworden, hatte Schwielen an den Händen vom Arbeiten in Josefs Werkstatt und konnte schon richtig gut mit dem Hobel umgehen.
Jedes Jahr im Frühling gingen Maria und Josef nach Jerusalem, zum großen Passafest. Da feiern alle zusammen, dass Gott sein Volk damals aus Ägypten befreit hat. Und diesmal durfte Jesus mit.
Es war wunderbar! Sie gingen in einer riesigen Gruppe, mit Onkeln und Tanten, mit Cousins und Nachbarn. Sie sangen unterwegs Lieder. Abends saßen sie ums Feuer, und die Kinder spielten Fangen, bis sie umfielen vor Müdigkeit.
Und dann kamen sie nach Jerusalem. Die Stadt war voller Menschen. Überall roch es nach gebratenem Lamm und nach Kräutern. Und mittendrin, auf einem Berg, stand der Tempel, das große Haus Gottes. Riesig und weiß und golden. Jesus blieb stehen und schaute. Und schaute. Und konnte gar nicht aufhören zu schauen.
Sie feierten das Fest. Es war laut und fröhlich und dauerte eine ganze Woche.
Dann war es vorbei. Maria und Josef packten ihre Sachen und machten sich mit der großen Gruppe auf den Heimweg.
„Wo ist Jesus?“, fragte Maria.
„Bestimmt bei den Cousins“, sagte Josef. „Oder bei Tante Ruth.“
Sie gingen einen ganzen Tag lang. Am Abend, als sie das Lager aufschlugen, suchte Maria ihn. Sie ging von Feuer zu Feuer.
„Habt ihr Jesus gesehen?“
„Nein.“
„Habt ihr Jesus gesehen?“
„Nein, schon den ganzen Tag nicht.“
Maria wurde ganz kalt vor Schreck. Jesus war nicht da! Er war verloren gegangen!
Sofort drehten Maria und Josef um. Sie liefen den ganzen Weg zurück nach Jerusalem. Sie suchten auf dem Markt. Sie suchten in den Gassen. Sie suchten bei den Leuten, bei denen sie übernachtet hatten. Sie fragten jeden, den sie trafen.
Einen Tag. Zwei Tage. Drei Tage.
Maria konnte nicht mehr schlafen und nicht mehr essen. Sie weinte.
Am dritten Tag gingen sie in den Tempel. Und da, in einer großen Halle mit Säulen, saß eine Gruppe von alten, klugen Lehrern mit langen Bärten und dicken Schriftrollen. So sahen damals Bücher aus: lange Bahnen, die man auf- und zurollt. Und mittendrin saß ein Junge.
Jesus!
Er saß da ganz ruhig, hörte den Lehrern zu und stellte ihnen Fragen. Und manchmal gab er auch Antworten. So kluge Antworten, dass die alten Lehrer sich verwundert anschauten und die Augenbrauen hochzogen.
„Jesus!“, rief Maria. Sie lief zu ihm hin und nahm ihn in den Arm. „Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Papa und ich haben dich drei Tage lang gesucht! Wir hatten solche Angst!“
Jesus schaute sie überrascht an.
„Warum habt ihr mich gesucht?“, fragte er. „Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“
Maria und Josef verstanden nicht ganz, was er meinte. Aber Maria behielt die Worte in ihrem Herzen.
Dann stand Jesus auf und ging mit ihnen nach Hause nach Nazaret. Und er hörte auf sie und half Josef in der Werkstatt. Und er wurde größer und klüger, und Gott und die Menschen hatten ihn lieb.
Jesus hatte sich im Tempel, im Haus Gottes, gefühlt wie zu Hause. Weil Gott sein Vater ist.
Und weißt du was? Gott ist auch dein Vater. Bei Gott darfst du auch zu Hause sein. In der Kirche, beim Beten, überall.
Bibelvers
„Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Wie haben sich Maria und Josef gefühlt, als sie Jesus nicht finden konnten?
- Frage 2: Warum hat sich Jesus im Tempel wohl so zu Hause gefühlt?
- Frage 3: Wo fühlst du dich ganz zu Hause und geborgen?
Gebet
Lieber Gott,
Jesus war im Tempel zu Hause, weil du sein Vater bist.
Du bist auch mein Vater.
Bei dir bin ich zu Hause.
Amen.
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