Karte 20 · Josef · Altes Testament
Josef im tiefen Brunnen
1. Mose 37,12–36 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott ist da, auch wenn man ihn nicht sieht
Geschichte
Die Brüder von Josef waren weit weg mit den Schafen. Tage entfernt, auf den Weiden bei Dotan.
„Josef“, sagte Papa Jakob, „geh doch mal hin und schau, ob es deinen Brüdern gut geht.“
Josef zog seinen bunten Mantel an. Er packte Brot und Käse ein und ging los. Er lief über Hügel und durch Täler und fragte sich durch, bis er sie endlich sah: die Brüder und die vielen Schafe, klein wie Wattebäusche auf der grünen Weide.
Josef winkte.
Aber die Brüder winkten nicht zurück. „Da kommt der Träumer“, sagte Simeon und kniff die Augen zusammen. Die Brüder steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. Nur Ruben, der Älteste, schüttelte immer wieder den Kopf.
Als Josef bei ihnen ankam, packten sie ihn. Sie rissen ihm den bunten Mantel herunter. Und dann schubsten sie ihn in einen alten Brunnen. Einen tiefen Brunnen, in dem kein Wasser mehr war.
Josef fiel. Er landete unten auf trockenem, hartem Boden.
Es war dunkel da unten. Die Wände waren aus rauen Steinen, und es roch nach Erde und Moos. Ganz hoch oben war ein kleines rundes Stück Himmel. Mehr nicht.
„Hilfe!“, rief Josef. „Lasst mich raus! Bitte!“
Aber oben hörte er nur, wie die Brüder weggingen. Und dann hörte er, wie sie sich hinsetzten und aßen. Sein Brot. Seinen Käse.
Josef setzte sich auf den Boden und zog die Knie an. Er zitterte. Er hatte keinen Mantel mehr. Er war ganz allein. Und er hatte Angst, so viel Angst wie noch nie.
„Gott“, flüsterte er in die Dunkelheit, „bist du da? Ich kann dich nicht sehen.“
Es kam keine Antwort. Nur ein kleiner Käfer krabbelte an der Wand hoch, dem Licht entgegen.
Aber Josef betete weiter. Leise. Immer wieder.
Nach einer Weile hörte er oben Stimmen. Fremde Stimmen. Und Glöckchen, wie sie Kamele um den Hals tragen. Ein Seil fiel herunter, direkt neben ihn.
„Halt dich fest!“, rief jemand.
Josef hielt sich fest. Und dann wurde er hochgezogen, Stück für Stück, bis er oben blinzelnd im Sonnenlicht stand.
Da standen fremde Händler mit Kamelen. Sie waren auf dem Weg nach Ägypten. Und die Brüder hatten Josef an sie verkauft. Für zwanzig Silberstücke.
Die Händler setzten Josef auf ein Kamel. Und die Karawane zog los, weit weg, in ein fremdes Land. Karawane nennt man viele Kamele, die hintereinander durch die Wüste laufen.
Josef saß oben auf dem schaukelnden Kamel und schaute zurück, bis er die Hügel seiner Heimat nicht mehr sehen konnte. Er war sehr, sehr traurig.
Als es Nacht wurde, schaute er nach oben. Da waren die Sterne. Dieselben Sterne wie zu Hause.
Und Josef dachte: Ich kann Gott nicht sehen. Nicht im Brunnen und nicht hier auf dem Kamel. Aber vielleicht ist er trotzdem da.
Und das war er. Josef wusste es noch nicht. Aber Gott war bei ihm im Brunnen gewesen. Und Gott war bei ihm auf dem Weg nach Ägypten. Und Gott hatte schon einen Plan, einen großen, guten Plan für Josef.
Gott ist da. Auch wenn man ihn nicht sieht.
Bibelvers
„Gott war mit Josef.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Was hat Josef im Brunnen gedacht?
- Frage 2: Woran könnte Josef gemerkt haben, dass Gott doch da ist?
- Frage 3: Wann hast du dich schon mal ganz allein gefühlt? Was hat dir geholfen?
Gebet
Lieber Gott,
Josef war im dunklen Brunnen ganz allein,
aber du warst bei ihm.
Wenn ich Angst habe und dich nicht sehe, bist du trotzdem da.
Amen.
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