Karte 21 · Josef · Altes Testament
Josef im Gefängnis – der Mundschenk vergisst ihn
1. Mose 39,20–40,23 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Warten und Geduld gehören dazu
Geschichte
Josef war jetzt in Ägypten. Er arbeitete im Haus eines reichen Mannes und machte seine Sache so gut, dass ihm bald das ganze Haus anvertraut wurde. Aber dann erzählte jemand eine Lüge über Josef. Und obwohl er nichts Böses getan hatte, wurde er ins Gefängnis gesperrt.
Das Gefängnis war dunkel und feucht. Es gab kleine Fenster mit dicken Gittern, und nachts huschten Mäuse über den Boden.
Aber Gott war auch im Gefängnis bei Josef. Und Josef war freundlich zu allen. Er half, wo er konnte, er teilte sein Brot, er tröstete die, die weinten. Und bald vertraute ihm sogar der Gefängniswärter und gab ihm die Schlüssel.
Eines Tages kamen zwei neue Gefangene. Der eine war der Mundschenk des Königs. Er war dafür zuständig, dem Pharao den Wein einzuschenken. Er hatte etwas falsch gemacht, und jetzt saß er hier.
Eines Morgens saß der Mundschenk ganz still in der Ecke und schaute traurig vor sich hin.
„Was ist los?“, fragte Josef und setzte sich zu ihm.
„Ich hatte einen Traum“, sagte der Mundschenk. „Einen ganz merkwürdigen. Und keiner kann mir sagen, was er bedeutet.“
„Erzähl ihn mir“, sagte Josef. „Gott weiß, was Träume bedeuten.“
„Ich sah einen Weinstock“, sagte der Mundschenk. „Der hatte drei Zweige. Die Zweige bekamen Blüten, und aus den Blüten wurden Trauben, dicke, reife, lila Trauben. Und ich hatte den Becher des Pharao in der Hand. Ich drückte die Trauben aus, in den Becher hinein, und gab ihn dem Pharao.“
Josef dachte nach. Dann lächelte er.
„Das ist ein guter Traum“, sagte er. „Die drei Zweige sind drei Tage. In drei Tagen holt dich der Pharao zurück. Und du wirst ihm wieder den Becher reichen, so wie früher.“
Der Mundschenk sprang auf. „Wirklich?“
„Wirklich“, sagte Josef. „Aber bitte, wenn es dir wieder gut geht, denk an mich. Erzähl dem Pharao von mir. Ich habe nichts Böses getan. Ich möchte hier raus.“
„Natürlich!“, rief der Mundschenk. „Ich vergesse dich nie! Nie im Leben!“
Und drei Tage später ging die Tür auf, und der Mundschenk wurde zum Pharao geholt. Genau wie Josef es gesagt hatte.
Josef wartete. Einen Tag. Zwei Tage. Eine Woche.
Jeden Morgen, wenn er Schritte auf dem Gang hörte, dachte er: Jetzt! Jetzt kommen sie und holen mich!
Aber sie kamen nicht.
Ein Monat verging. Dann noch einer. Der Sommer ging vorbei, und der Winter kam. Und dann wieder ein Sommer.
Der Mundschenk hatte Josef vergessen. Ganz und gar.
Josef saß oft am vergitterten Fenster und schaute auf das kleine Stück Himmel. Manchmal war er traurig. Manchmal war er ungeduldig. Manchmal hätte er am liebsten gegen die Wand getreten.
Aber dann faltete er die Hände und sagte: „Gott, ich weiß nicht, wie lange ich noch warten muss. Aber du weißt es.“
Und dann stand er wieder auf und half den anderen Gefangenen. Er teilte sein Brot. Er hörte zu. Er tröstete.
Zwei ganze Jahre wartete Josef. Das ist sehr, sehr lange.
Aber weißt du was? Gott hatte ihn nicht vergessen. Nicht einen einzigen Tag. Und bald würde etwas passieren, womit Josef nicht gerechnet hatte.
Warten ist schwer. Aber Warten gehört dazu. Und Gott vergisst niemanden.
Bibelvers
„Aber der Mundschenk dachte nicht an Josef. Er vergaß ihn.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Wie hat sich Josef wohl gefühlt, als der Mundschenk ihn vergessen hat?
- Frage 2: Was hat Josef gemacht, während er gewartet hat?
- Frage 3: Worauf hast du schon mal ganz, ganz lange gewartet?
Gebet
Lieber Gott,
Warten ist manchmal so schwer.
Hilf mir, geduldig zu sein.
Danke, dass du mich nie vergisst.
Amen.
Ausmalbild
Wie war die Geschichte?
Eure Rückmeldung hilft uns, Kinderbibelprojekt besser zu machen. Sie wird nicht veröffentlicht.
Danke, du hast diese Geschichte schon bewertet. 🌞
Herzlichen Dank!
Deine Bewertung ist angekommen. Schön, dass ihr zusammen gelesen habt.