Karte 81 · Jesus unterwegs · Neues Testament
Das verlorene Schaf
Lukas 15,1–7 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott sucht die, die verloren gegangen sind
Geschichte
Einmal erzählte Jesus den Leuten diese Geschichte:
Es war ein Hirte, der hatte hundert Schafe. Hundert! Wenn die alle zusammen blökten, hörte man es bis ins nächste Tal. Der Hirte kannte jedes einzelne. Er wusste, welches gern trödelte und welches immer als Erstes am Bach war.
Abends, wenn die Sonne rot hinter den Hügeln versank, brachte er sie in den Pferch. Das ist ein Platz mit einem Zaun aus Steinen und Dornen, wo die Schafe in der Nacht sicher sind. Am Gatter blieb der Hirte stehen und zählte, während sie an ihm vorbeitrippelten.
„Eins, zwei, drei, vier …“
Wollige Rücken drängten sich, warme Nasen stupsten an seine Hand.
„… siebenundneunzig, achtundneunzig, neunundneunzig …“
Der Hirte stutzte. Kein Schaf mehr. Er zählte noch einmal von vorn, ganz genau. Aber es blieb dabei: neunundneunzig.
Eines fehlte. Und er wusste sofort, welches. Das kleine Lamm mit dem schiefen Ohr! Schnuffi nannte er es. Es schlief so gern in der Sonne ein. Sicher hatte es nicht gemerkt, wie die anderen weiterzogen.
„Ach, lass doch“, sagten die Nachbarn. „Du hast ja noch neunundneunzig. Was macht da ein einziges Schaf? Geh schlafen. Vielleicht kommt es morgen von selbst zurück.“
Der Hirte schüttelte den Kopf. „Es ist allein“, sagte er. „Es ist Nacht. Und irgendwo da draußen hat es Angst.“
Er machte das Gatter fest zu. Dann nahm er seinen Stab und ging hinaus in die Dunkelheit.
„Schnuffi!“, rief er. „Schnuffi, wo bist du?“
Er suchte hinter den großen Steinen. Er suchte unten am Bach, wo das Wasser schwarz und kalt gluckerte. Er stieg in das tiefe Tal hinab und kletterte auf der anderen Seite wieder hinauf. Dornen rissen an seinem Mantel und zerkratzten ihm die Hände. Einmal stolperte er über eine Wurzel und fiel der Länge nach hin. Aber er stand wieder auf und rief weiter.
Der Mond stieg über die Hügel und machte alles silbern. Auf einem Ast saß eine Eule und sah ihm mit runden Augen zu. „Uhu“, machte sie.
Der Hirte blieb stehen und lauschte. Und da hörte er es. Ganz leise und zittrig.
„Mäh.“
Es kam aus einer Dornenhecke. Dort hing das kleine Lamm. Seine Wolle hatte sich in den Dornen verfangen, und je mehr es gezappelt hatte, desto fester saß es. Es zitterte am ganzen Körper.
„Da bist du ja!“, rief der Hirte.
Schnuffi duckte sich. Ob er jetzt schimpfen würde? Es war ja weggelaufen. Es war selber schuld.
Aber der Hirte schimpfte nicht. Kein einziges Wort. Behutsam löste er die Wolle aus den Dornen, einen Zweig nach dem anderen. Dann hob er das Lamm heraus und drückte es an sich. Er spürte, wie schnell das kleine Herz schlug, und er spürte auch, wie es langsam ruhiger wurde.
Er legte sich das Lamm über die Schultern. So trug er es nach Hause, den ganzen weiten Weg, durch das Tal und am Bach entlang.
Als er ankam, wurde es schon hell. „Nachbarn, kommt her!“, rief er. „Freut euch mit mir! Ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!“
Da kamen sie alle, und sie feierten ein Fest. Schnuffi aber lag im warmen Stroh zwischen den anderen Schafen und schlief tief und fest.
Als Jesus fertig erzählt hatte, sagte er: „Genau so ist Gott. Wenn einer verloren geht, dann sucht Gott ihn. Und er hört nicht auf, bis er ihn gefunden hat. Dann freut sich der ganze Himmel.“
Gott sucht die, die verloren gegangen sind. Er sucht auch dich. Und er trägt dich nach Hause.
Bibelvers
„Freut euch mit mir! Ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Wie hat sich Schnuffi in der Dornenhecke gefühlt?
- Frage 2: Warum hat der Hirte nicht mit Schnuffi geschimpft?
- Frage 3: Hast du dich schon mal verlaufen? Wer hat dich gefunden?
Gebet
Lieber Gott,
du bist wie ein guter Hirte.
Wenn ich mich verlaufe, suchst du mich
und trägst mich nach Hause.
Amen.
Ausmalbild
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