Karte 85 · Jesus unterwegs · Neues Testament
Bartimäus darf wieder sehen
Markus 10,46–52 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott hört zu, wenn wir beten
Geschichte
Am Stadttor von Jericho, dort, wo die staubige Straße nach Jerusalem hinausführte, saß jeden Tag ein Mann. Er hieß Bartimäus.
Bartimäus war blind. Er konnte nichts sehen. Nicht die Sonne, nicht die Palmen, nicht die Gesichter der Menschen. Nur Dunkelheit.
Aber er konnte hören. Und wie er hören konnte! Er hörte das Klappern der Eselshufe auf den Steinen. Er hörte, wie die Händler auf dem Markt ihre Feigen anpriesen. Er hörte die Kinder, die vorbeirannten, und die Vögel in den Palmen. Und er hörte das Klimpern, wenn jemand eine Münze in seine Schale warf.
Denn Bartimäus war ein Bettler. Er konnte nicht arbeiten. Er saß da, auf seinem alten Mantel, und hielt die Schale hin. Und wartete.
An diesem Tag hörte Bartimäus etwas anderes. Ein Geräusch, das immer lauter wurde. Viele Schritte. Viele Stimmen. Ein Gemurmel, wie wenn eine große Menschenmenge kommt.
„Was ist los?“, fragte Bartimäus einen Jungen, der vorbeilief.
„Jesus aus Nazaret kommt!“, rief der Junge.
Jesus! Bartimäus hatte schon so viel von ihm gehört. Dass er Kranke gesund machte. Dass er Lahme gehen ließ.
Bartimäus richtete sich auf. Und dann fing er an zu rufen. So laut er konnte.
„Jesus! Jesus, du Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!“ Erbarmen heißt: Bitte hilf mir.
Die Leute um ihn herum drehten sich um. „Pssst!“, zischten sie. „Sei still, Bartimäus! Du störst!“
Aber Bartimäus war nicht still. Er rief noch lauter. So laut, dass seine Stimme heiser wurde.
„Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!“
„Halt den Mund!“, schimpften die Leute. „Jesus hat keine Zeit für einen Bettler wie dich!“
Und Bartimäus? Rief noch lauter. Er schrie. Er schrie aus ganzem Herzen.
„JESUS! HAB ERBARMEN MIT MIR!“
Und dann wurde es still.
Die Schritte hatten aufgehört. Die Menge war stehen geblieben. Bartimäus konnte es nicht sehen, aber er hörte es: Jesus war stehen geblieben. Mitten auf der Straße.
„Ruft ihn her“, sagte Jesus.
Und auf einmal waren die Leute ganz anders. Dieselben, die ihn eben noch angezischt hatten, beugten sich zu ihm herunter. „Nur Mut, Bartimäus!“, sagten sie. „Steh auf! Er ruft dich!“
Da warf Bartimäus seinen alten Mantel weg. Den Mantel, auf dem er jahrelang gesessen hatte. Er sprang auf, so schnell, dass seine Schale umkippte und die Münzen über die Steine rollten. Und er tastete sich durch die Menge, bis er vor Jesus stand.
„Was möchtest du?“, fragte Jesus. „Was soll ich für dich tun?“
Bartimäus holte tief Luft.
„Meister“, sagte er, „ich möchte sehen können.“
„Geh“, sagte Jesus. „Dein Vertrauen hat dir geholfen.“
Und in diesem Moment wurde es hell.
Erst verschwommen. Dann klarer. Bartimäus sah Licht. Er sah Farben. Er sah das Blau des Himmels und das Grün der Palmen. Er sah die Leute, die ihn mit offenem Mund anstarrten. Und er sah ein Gesicht. Ein freundliches Gesicht mit warmen Augen, das ihn anlächelte.
Das allererste Gesicht, das Bartimäus sah, war das Gesicht von Jesus.
Bartimäus lachte. Und dann ging er mit Jesus mit, die Straße entlang. Und er hörte gar nicht mehr auf, sich umzuschauen.
Bartimäus hat gerufen. Immer wieder. Und Jesus hat ihn gehört. Mitten in der großen Menge.
Gott hört zu, wenn wir beten. Auch wenn andere sagen: Sei still.
Bibelvers
„Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her!“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum hat Bartimäus immer lauter gerufen, obwohl alle „Pssst!“ gemacht haben?
- Frage 2: Warum hat er wohl seinen Mantel weggeworfen?
- Frage 3: Was würdest du Jesus antworten, wenn er dich fragt: „Was soll ich für dich tun?“
Gebet
Lieber Gott,
Bartimäus hat gerufen, und Jesus ist stehen geblieben.
Du hörst mich auch, wenn ich rufe.
Hier ist meine Bitte: ___ (hier darf das Kind etwas einsetzen).
Amen.
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