Karte 86 · Ostern · Neues Testament
Hosianna!
Markus 11,1–11 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Auch Kleine und Schwache können Großes bewirken
Geschichte
In einem kleinen Dorf, nicht weit von der großen Stadt Jerusalem, stand ein junger Esel. Sein Fell war grau und weich wie Samt, seine Ohren waren lang, und seine Beine waren noch ein bisschen staksig. Er war an einem Tor festgebunden, und die Fliegen summten um seine Nase.
Noch nie hatte jemand auf ihm gesessen. Noch nie hatte er einen Sack oder einen Korb getragen.
Die großen Esel im Hof machten sich über ihn lustig. „Du bist viel zu klein“, sagten sie und schlugen mit den Schwänzen. „Du taugst zu nichts. Dich braucht keiner.“
Der kleine Esel ließ die Ohren hängen und scharrte mit dem Huf im Staub. Vielleicht hatten sie ja recht.
Da kamen zwei Männer die Dorfstraße herauf. Sie gingen geradewegs auf das Tor zu, und einer von ihnen knotete den Strick los.
„He!“, rief der Bauer. „Was macht ihr da mit meinem Esel?“
„Der Herr braucht ihn“, sagte der Mann. „Wir bringen ihn bald wieder zurück.“
Der kleine Esel spitzte die Ohren. „Der Herr braucht mich?“, dachte er. „Mich? Wer mag das sein?“
Sie führten ihn hinaus zum Ölberg. Dort, zwischen den alten Olivenbäumen mit ihren silbrigen Blättern, wartete ein Mann. Er hatte ein freundliches Gesicht, und er sah den kleinen Esel an, als hätte er sich schon auf ihn gefreut. Das war Jesus.
Die Freunde legten ihre Mäntel auf den Rücken vom Esel, weich wie eine Decke. Dann setzte Jesus sich darauf.
Der kleine Esel zitterte. Es war ja das allererste Mal! Ob seine Beine das wohl aushielten? Ob er stolpern würde?
Da strich Jesus ihm ruhig über den Hals. „Ich bin bei dir“, sagte er. „Du schaffst das. Komm.“
Und der kleine Esel ging los. Klipp, klapp, klipp, klapp, den steinigen Weg hinunter. Mit jedem Schritt wurden seine Beine sicherer.
Unten vor der Stadt aber blieb ihm fast das Herz stehen. Da waren Menschen! Hunderte! Tausende! Von allen Seiten kamen sie gelaufen, und die ganze Straße war voll.
Sie zogen ihre Mäntel aus und breiteten sie auf dem Weg aus, damit der kleine Esel weich gehen konnte wie auf einem Teppich. Sie rissen grüne Zweige von den Palmen und schwenkten sie hoch in der Luft. Die Kinder hüpften nebenher und winkten.
Und alle riefen: „Hosianna! Hosianna! Gesegnet ist, der da kommt im Namen des Herrn!“
Hosianna, das heißt: Hilf uns doch! Und es heißt auch: Hurra, wie gut, dass du da bist! So begrüßt man einen König.
Der kleine Esel hob den Kopf. Er stellte die Ohren auf. Er setzte seine Hufe so sorgfältig, wie er nur konnte, einen vor den anderen, über Mäntel und Palmzweige.
Er trug den König! Er, der Kleine, von dem alle gesagt hatten, er tauge zu nichts.
Jesus hätte auf einem großen Pferd kommen können, mit Schwert und glänzender Rüstung, so wie andere Könige. Aber das wollte er nicht. Er kam sanft und freundlich. Und dafür hatte er sich kein starkes Pferd ausgesucht und keinen von den großen Eseln. Er hatte sich den Kleinsten ausgesucht.
Am Abend wurde der kleine Esel zurück ins Dorf gebracht, genau wie versprochen. Die großen Esel schauten herüber. Diesmal sagten sie nichts.
Der kleine Esel aber stand noch lange wach am Tor. In seinen Ohren klang es immer noch: Hosianna!
Gott braucht nicht nur die Großen und Starken. Auch wer klein ist, kann etwas Großes tun.
Bibelvers
„Hosianna! Gesegnet ist, der da kommt im Namen des Herrn!“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Wie hat sich das Eselchen gefühlt, als alle „Hosianna!“ gerufen haben?
- Frage 2: Warum hat sich Jesus wohl ein kleines Eselchen ausgesucht und kein großes Pferd?
- Frage 3: Wollen wir auch mal mit Zweigen winken und „Hosianna!“ rufen?
Gebet
Lieber Gott,
das kleine Eselchen durfte Jesus tragen.
Auch wenn ich klein bin, kannst du mich gebrauchen.
Hosianna! Wir freuen uns über dich!
Amen.
Ausmalbild
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