Karte 55 · Jona · Altes Testament
Jona im großen Fisch
Jona 2 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott hört zu, wenn wir beten
Geschichte
Es war dunkel.
So dunkel, wie Jona es noch nie erlebt hatte. Dunkler als die dunkelste Nacht. Dunkler als ein Keller ohne Fenster. So dunkel, dass es keinen Unterschied machte, ob er die Augen offen hatte oder zu.
Jona saß im Bauch des großen Fisches.
Es war feucht hier drinnen. Und warm. Und es roch. Oh, wie es roch! Nach altem Fisch und nach Algen und nach etwas Saurem, das Jona lieber gar nicht so genau wissen wollte. Irgendetwas Glitschiges hatte sich um seinen Kopf gewickelt. Seetang. Er zog es weg.
Um ihn herum gluckerte es. Und blubberte. Und manchmal rumpelte es ganz tief im Bauch des Fisches, wie wenn jemand großen Hunger hat. Dann wackelte alles, und Jona rutschte hin und her.
Und über allem war das Rauschen des Meeres. Das Meer war überall. Über ihm, unter ihm, neben ihm. Tief, tief unten war er, dort, wo die Wurzeln der Berge stehen.
Jona zog die Knie an. Er war allein. Ganz und gar allein.
Er dachte an Gott. Er dachte daran, wie Gott zu ihm gesagt hatte: „Geh nach Ninive.“ Und wie er nicht gegangen war. Wie er weggelaufen war, auf das Schiff. Wie er gedacht hatte, er könnte sich vor Gott verstecken.
„Ich habe mich versteckt“, dachte Jona. „Und jetzt bin ich so versteckt, dass mich keiner mehr findet. Nicht mal Gott.“
Aber dann merkte er etwas.
Er lebte ja noch. Er war nicht im Meer versunken. Der Fisch hatte ihn verschluckt, bevor die Wellen ihn nach unten ziehen konnten. Hier drinnen war es dunkel und eklig und eng. Aber er war nicht ertrunken.
Und Jona dachte: Vielleicht hat Gott den Fisch geschickt.
Da faltete Jona die Hände. Im Dunkeln. Im stinkenden, gluckernden, dunklen Bauch des Fisches. Und er betete.
„Gott“, sagte er, „ich war in Not, und ich habe zu dir gerufen. Ich war ganz tief unten, wo das Wasser mich umgab und der Seetang sich um meinen Kopf gewickelt hat. Ich dachte, ich bin weg von dir. Für immer.
Aber du hast mich nicht vergessen. Du hast mich gehört. Hier unten. Danke, Gott. Danke. Ich will dir ein Danke-Lied singen. Und ich will tun, was du gesagt hast.“
Und Jona sang. Da drinnen, im Fisch. Seine Stimme klang komisch, ein bisschen hohl, wie in einer großen Tonne. Aber er sang.
Einen Tag lang. Zwei Tage lang. Drei Tage und drei Nächte.
Und dann sprach Gott zu dem Fisch.
Der Fisch bewegte sich. Er schwamm. Schneller und schneller. Jona wurde hin und her geschaukelt. Es rumpelte und grummelte. Und dann machte der Fisch sein riesiges Maul auf, und – bläääärp! – spuckte er Jona aus.
Jona flog durch die Luft und landete im weichen Sand. An einem Strand. In der Sonne.
Er lag da und blinzelte. Die Sonne war so hell! Die Luft roch nach Salz und nicht nach Fisch! Die Wellen plätscherten ganz friedlich. Und ein Stück weiter draußen tauchte der große Fisch ab und winkte, jedenfalls sah es so aus, mit der Schwanzflosse.
Jona setzte sich auf. Er hatte Seetang in den Haaren und Sand an den Füßen. Aber er lachte.
Gott hatte ihn gehört. Ganz tief unten im Meer. Gott hört zu, wenn wir beten. Überall.
Bibelvers
„Als ich in Not war, rief ich zu Gott. Und er hat mir geantwortet.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Wie war es im Bauch des Fisches? Wie hat es da gerochen?
- Frage 2: Warum hat Jona auf einmal „Danke“ gesagt, obwohl er noch im Fisch war?
- Frage 3: Wo kann man überall beten? Gibt es einen Ort, wo Gott einen nicht hört?
Gebet
Lieber Gott,
Jona hat im dunklen Fisch gebetet,
und du hast ihn gehört.
Egal, wo ich bin – du hörst mich.
Amen.
Ausmalbild
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